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Passauerin sitzt in Hostel in Peru fest - Bei Verlassen drohen Schüsse - Corona-Pandemie

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Corona-Pandemie

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Hier Informieren wir Euch weltweit Aktuell über die Corona-Epidemie. || Here we inform you worldwide about the Corona epidemic. || Здесь мы информируем вас по всему миру об эпидемии короны.
  • Erstellt: Mär 10 '20
  • Gruppenadministrator: Marcos
Kasper Team
Kasper Apr 7 '20

Der Hostel-Manager in Cusco hält regelmäßig Ansprachen im Innenhof. Am einen Tag werde den Urlaubern Hoffnung auf eine Ausreise gemacht, am nächsten Tag diese wieder zunichtegemacht. So schildert es die Passauer Studentin Miriam Herzog, die sich seit drei Wochen wie im Gefängnis fühlt.



Es sollte eine Traumreise werden, drei Monate quer durch Südamerika. Doch Corona machte sie jäh zum Alptraum: Miriam Herzog (23) ist seit drei Wochen zur Quarantäne mit 70 anderen Urlaubern in einem Hostel im peruanischen Cusco gefangen – ja, gefangen. Eine Stunde Hofgang pro Tag, waffenstarrende Soldaten und Polizisten drohen bei Verlassen des Gebäudes mit Schüssen, erzählt die Passauer Studentin. Sie fühlt sich wie im Gefängnis, hat kürzlich einen psychischen Zusammenbruch erlitten. Wann sie nach Deutschland zurück darf, weiß sie nicht. Und der Alptraum könnte im schlimmsten Fall noch monatelang weitergehen.


Bedingungen für Europäer unvorstellbar


Eigentlich wollte Miriam nur drei Tage im Hostel bleiben, danach nach Machu Picchu und schließlich nach Hause fliegen. Jetzt könnte sich ihr Aufenthalt bis in den Juni verlängern – unfreiwillig. Denn seit Corona das Hostel vor zwei Wochen erreicht hat, werde der Umgang mit den Urlaubern zunehmend rabiater. "Die Peruaner denken, dass die Touristen das Virus eingeschleppt haben", sagt Herzog. Jeder neu entdeckte Fall im Hostel verlängere die Quarantäne um weitere vier Wochen. "Das kann bis zu drei Monate dauern, hat der Manager gesagt." Inzwischen seien sieben Corona-Fälle im Hostel bestätigt worden. "Ich denke aber, dass wir es alle schon haben oder hatten", erzählt Herzog. Denn Isolation in einem Zehnbettzimmer sei nicht möglich, die Hygienestandards und Corona-Testkapazitäten extrem dürftig. Auch wenn sie keine Symptome hat, würde sie sich gerne testen lassen − um einfach Gewissheit zu haben und vielleicht endlich nach Hause fliegen zu dürfen. "Aber es werden nur Leute mit Symptomen getestet."


Die Bedingungen seien für Europäer unvorstellbar. "Wir fühlen uns alle wie im Gefängnis." Wer das Hostel unerlaubt verlässt, dürfe erschossen werden, eine Stunde Freigang sei die einzige Möglichkeit, an frische Luft zu kommen. "Ich habe schon von Fällen gehört, wo Menschen eine Waffe an den Kopf gehalten wurde." Wer gegen die Corona-Regeln verstößt, dem drohen Miriam Herzog zufolge bis zu zehn Jahre Gefängnis. Und von Gefangenschaft habe sie bereits hier im Hostel genug. Für die Passauerin und die anderen Urlauber ist all das eine große mentale Belastung, wie sie sagt. Kürzlich hat die Studentin einen psychischen Zusammenbruch erlitten – und das nicht wegen der 3400 Meter über Meereshöhe, auf denen die Gebirgsstadt Cusco liegt. Seit drei Wochen muss sie weiter bezahlen, für Essen, das nicht schmeckt und für eine Unterkunft, die sie am liebsten sofort verlassen würde. "Ich glaube, dass sie noch Gewinn mit uns Touristen machen wollen, weil jetzt länger keiner kommen wird."


"Hoffen, dass uns deutscheBotschaft hier rausholt"


Auf den Straßen in Cusco herrscht Panik, Leute in Schutzkleidung würden aus Angst vor Corona wahllos Chlor auf den Straßen versprühen. Und das, obwohl es in der Anden-Stadt nur vereinzelte Fälle gebe. Das Militär und die Polizei würden Lebensmitteltransporten mitunter die Weiterfahrt zum Hostel verweigern. "Es sind auch schon Mahlzeiten komplett ausgefallen", erzählt die Studentin von den Zuständen. Der Zugang zu sauberem Wasser und Nahrung sei stark limitiert.


Peru gilt als sperrig, was Rückholaktionen von deutschen Urlaubern betrifft. Nicht ohne Grund zählt der Andenstaat zu den Ländern, in denen noch mit am meisten Bundesbürger festsitzen. "Die deutsche Regierung will uns abholen, Peru lässt sie aber nicht", bemerkt Herzog. Hier in Cusco sei von der Rückholaktion der Regierung jedenfalls nichts zu spüren. Miriam Herzog erlebt die wankelmütige Art der peruanischen Regierung selbst mit: "Es wird Flugzeugen in Cusco gerne kurzfristig keine Landegenehmigung erteilt." Bisweilen habe sie das Gefühl, dass die Peruaner gegen Deutsche einen besonderen Groll hegen. Denn beispielsweise Schweizer, US-Amerikaner und Argentinier hätten ihr Hostel-Gefängnis bereits verlassen dürfen und seien in ihr Heimatland ausgeflogen worden. Und das, obwohl sie weder getestet worden seien noch die Quarantäne-Zeit von vier Wochen erfüllt hätten.


Immer wieder gebe es Gespräche zwischen der deutschen Botschaft in Cusco und dem dortigen Gesundheitsminister. Auch sie und die anderen rund 20 Deutschen im Hostel stünden in Kontakt mit der deutschen Botschaft. Am einen Tag werde ihnen Hoffnung gemacht, am nächsten Tag diese wieder zunichtegemacht. "Wir hoffen einfach, dass uns die Botschaft bald hier rausholt."

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